Gesichter der Strasse
René Fischer, 35, saarländischer Imi aus Köln
Ich bin gelernter Tischler und nach kurzem Intermezzo als Innenarchi.- und Architekturstudent beruflich selbbständig für Film- und Fernsehbauten, Messen, Events und als Requisiteur tätig. Außerdem eben ein Hobbyfotograf, der seine Motive gerne in spannenden Details findet, seien es Menschen, Natur oder Sachen und Dinge. Ich finde es sehr inspirierend, mit Licht malen zu können und dadurch Situationen, kurze Momente oder interessante Bildauschnitte festzuhalten.
Dies ist meine erste Ausstellung, wozu mich die Vorstadtprinzessin inspiriert hat, weil sie die sympathischste Kneipe um die Ecke ist, mit Interesse für Künstlerisches
und gerade auf Ausstellersuche.
Zur Ausstellung:
Vor drei Jahren gab es im Urlaub ein Schlüsselerlebnis, das sich für diese Ausstellung verantwortlich zeigt, als meine damalige Freundin ein Gesicht auf der Rückseite eines Tretbootes entdeckt hatte, das uns überrascht anblickte. Ich fotografierte es und beschloss daraus eine Serie zu machen. So sind in den letzten Jahren ca. 200 vorzeigbare Porträts von Gesichtern in Gegenständen entstanden.
Ich habe mir zu dem Thema ein einziges Dogma gestetzt und das ist die Pflicht der Authenzität des Motives. Soll heißen, keines der Fotos ist weder inszeniert noch in der Nachbearbeitung, abgesehen von üblichen Belichtungskorrekturen, manipuliert worden.
Die Gesichter sollen in all ihrer “Natürlichkeit” abgebildet werden.
Die ausgestellten Textildrucke der Aufnahmen beschränken sich auf die Gesichter der Straße, die ich in Kanaldeckeln und diversem straßenüblichem Zubehör, wie Parkplatzbegrenzer, Unterflurlampen und ähnlichem entdecke.
Bei diesen speziellen Blicken dieser Gesichter, die mich aus den Kanaldeckeln heraus anschauen, habe ich manchmal das Gefühl, daß sie mich anschreien. Sie schreien mir aus ihrer tiefen Seele Verzweiflung und Finsternis entgegen und sie sehen mich an, als würden sie von ihrem Untergrung an die Straße gesaugt, dabei wollen sie eigentlich ihrer Zweidimensionalität entfliehen, aber es ist unmöglich. Ich finde das sieht man einigen von ihnen auch an.
Andere wiederum erscheinen gut gelaunt und wirken sehr entspannt, wohl glücklicher mit ihrer Situation, in einer Straße zu wohnen und ständig überrannt und überfahren zu werden.
Für mich war es schon immer spannend die Seele in den Dingen zu entdecken, denn so absurd es auch erscheint, jeder hat schon einmal in seinem Leben eine innige Beziehung zu einem Gegenstand gehabt, sei es das erste Stofftier oder auch das eigene Auto, Schuhe usw. und man findet es selbst befremdlich, für ein totes Ding etwas zu empfinden, dennoch findet es statt.
So sind diese Gesichter für mich auch ein Sinnbild für die Möglichkeit einer Seele in Gegenständen, nicht mehr aber auch nicht weniger, denn wenn man entdeckt hat, daß sogar die Mülleimer der Stadt Köln einen herzlich anlachen können, wenn man vorbeigeht, oder gar seinen Müll in sie hineinstopft, kann das einen miesen Tag
innerhalb eines kurzen Augenblicks wieder sympathisch machen.
Gesichter sind überall ! ° _ ° ?
Kontakt: rennfisch@gmx.de